"Süßeren Duft als alle Düfte der Welt, verbreitet das Veilchen - die liebliche Blume." (Bacon, Francis 1561-1626)

 Über Veilchen

      "Der Frühling kommt, der Himmel lacht, es steht die Welt in Veilchen."       (aus: "Oktoberlied"Theodor Storm)

Klein und nahezu unscheinbar schimmert es auf Wiesen, in Gärten und in Wäldern: Das Veilchen.
Doch so unscheinbar es auch sein mag: Das Veilchen ist ein Allroundtalent auf allen Ebenen.

Im Jahr 2002 war das Hainveilchen (Viola riviniana) Blume des Jahres, Heilpflanze des Jahres 2007 war Viola odorata, das Duftveilchen.

Wer sich eines dieser meist blauen Blümchen näher betrachtet, wird die Zartheit dieser Pflänzchen bemerken. Der unaufdringliche, und doch betörende Duft der Veilchen stimmt die Sinne sanft und romantisch. Zwar duften nicht alle Veilchenarten, doch auch die Duft neutralen Exemplare der nahezu 500 Veilchenarten bezaubern uns durch filigrane, Orchideen ähnliche Schönheit.
Im Gegensatz zur poetischen Beschreibung des so bescheidenen Veilchens, erhebt die kleine Pflanze große Platzansprüche. Still und leise bildet sie Ausläufer und breitet sich innerhalb weniger Jahre flächendeckend aus.
Zur Gattung der Violaceae, die in den gemäßigten Zonen der Erde wächst, zählen so beliebte Arten wie die Waldveilchen (Viola reichenbachiana), Hornveilchen (Viola cornuta), Stiefmütterchen (Viola wittrockiana) oder Viola tricolor – das wilde Stiefmütterchen.
Wer seine Angebete erfreuen möchte, sollte sich aber für einen Strauß Viola Odorata (Duftveilchen) oder Viola alba (Parmaveilchen) entscheiden.
Aus der erstgenannten Art – den Duftveilchen, oder auch wohl riechenden Veilchen - wird unter anderem ätherisches Veilchenöl hergestellt: eines der teuersten und seltensten Öle der Welt. Immerhin benötigt man für einen Liter Veilchenöl ca. 5 Tonnen Veilchenblüten. Der liebliche Duft, den man in der Regel mit Weiblichkeit assoziiert, wird in der Aromatherapie zur Heilung seelischer Schockzustände und zur Stärkung schwacher Nerven eingesetzt. Er kann tief in die Seele eindringen. Veilchenöl wird dem Tierkreiszeichen Waage zugeordnet.
In der Medizin wird das teure Öl zur Wundbehandlung angewendet, da es antiseptisch wirkt.
Die Veilchen selbst wurden bereits von Hippokrates als Arzneipflanze verwendet. Veilchen lindern Erkältungen, helfen bei Reizhusten und Bronchitis, sogar bei Lungen-, Bronchial- und Brustkrebs sollen mit Veilchen und den daraus hergestellten Produkten Erfolge erzielt worden sein. Ein berühmtes Beispiel für äußere Anwendungen: die Veilchensalbe von Hildegard von Bingen.
Die Blüten und Blätter der kleinen Pflanze sind essbar. Tee wirkt schleimlösend und gegen Kopfschmerzen, die Wurzel hilft als Brechmittel.

Das Veilchen war schon in grauer Vorzeit ein beliebtes Blümchen, das Herz, Sinne und Fantasie ansprach.
So verwundert es niemanden, dass die kleine blaue Blume erfolgreich in Mythologie, Brauchtum, Kunst und Küche Einzug hielt.
Im griechischen und römischen Altertum war das Duftveilchen mehreren Gottheiten geweiht. Und schon bei den alten Griechen galt es als Blume der Liebe.
In der Biedermeierzeit erlebte die zarte Blume eine Art Hochkonjunktur: Besungen, in Gedichten und als beliebtes Motiv für Gemälde, so wie als Dekoration für Geschirr und Wäsche, hielt das Veilchen Einzug in Häuser und Herzen. Und natürlich galt es als wichtiger Bestandteil vieler Biedermeiersträuße. In der damals entstandenen Blumensprache steht das Veilchen für die verborgene Liebe. Es symbolisiert Unschuld, Demut, Bescheidenheit, Geduld und Treue.

Berühmte Künstler verewigten die kleine Blume in Gemälden (z. B. Albrecht Dürer, Leonardo DaVinci, Edouard Manet), Gedichten und Literatur (z. B. Theodor Storm, Goethe, Schiller, Heine, Andersen), sowie in der Musik (z. B. Carl Maria von Weber, W.A. Mozart). 

                 Eduard Manet - Veilchenstrauß

Die Verwendung des Duftveilchens in der Küche ist schon lange bekannt. Im mittelalterlichen England wurden die Blüten für Suppen, Salate, Saucen und Desserts verwendet.
Kaiserin Sisi liebte kandierte Veilchen als kleine Leckerei. Tees, Liköre, Gelees und Bonbons lassen sich wunderbar und in vielfältiger Variation herstellen.

Viola Odorata gilt schon von jeher als Frühlingsbote, der bereits im Jahre 1200 am Wiener Hof mit einem rauschenden Fest gefeiert wurde. Im Mittelalter war das Feiern des ersten Veilchens ein weit verbreiteter Brauch in Süddeutschland.

Wie man sieht, hat es die romantische, zierliche Blume weit gebracht. Ist es auch noch so unauffällig, bescheiden und klein, so gilt das Veilchen doch als große Berühmtheit.

Abschließen möchte ich nun mit einem wohl bekannten Poesiealbumvers:


„Sei wie das Veilchen im Moose,

bescheiden, sittsam und rein

nicht wie die stolze Rose,

die immer bewundert will sein.“

                                                                                               Cicely Mary Barker - Dog Violet Fairy